Tag der offenen Tür

Nach 50 Jahren wieder die Schulbank gedrückt

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„Ohne eine solide Schulbildung, wäre nichts aus uns geworden.“

Spandau – 28.11.15. Über ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Klaus Feustel aus dem Klassenraum im ersten Stock auf das Schulgelände blickte. „Damals war der Hof viel größer“, sagt der 70-Jährige. Mit der Hand deutet er auf die Sporthalle und den Anbau der B.-Traven-Gemeinschaftsschule: „All diese Gebäude waren nicht da.“ Auch das Treppenhaus sei viel größer gewesen, meint er. Zumindest sei ihm das als 6-Jähriger so vorgekommen.

Während andere Besucher am Tag der offenen Tür zur BTO kamen, um für sich selbst oder ihre Kinder eine weiterführende Schule auszuwählen, hatten Klaus Feustel und sein Bruder Hans ihren alten Schulweg aus nostalgischen Gründen gemacht. Beide waren in den 1950er Jahren hier eingeschult worden, Klaus 1952, Hans 1954. Damals war die  BTO eine so genannte OPZ, also eine Oberschule des Praktischen Zweigs. Man konnte von der 1. bis zur 10. Klasse an der Schule bleiben, was die Brüder Feustel auch taten. Eine weite Anfahrt etwa mit dem Bus hatten sie nicht: „Wir wohnten in der Zeppelinstraße. Das war ein Katzensprung.“

Je länger sie sich im Klassenraum der heutigen 10.1 aufhalten, desto mehr Erinnerungen kehren zurück. Unvergessliche war für Klaus der Moment, als im Chemieunterricht jemand ein Fläschchen mit Quecksilber fallen ließ, und alle Schüler sich bemühten, die sich bildenden, hochgiftigen Kügelchen mit bloßen Händen aufzusammeln. „Wir hatten ja keine Ahnung, wie schädlich das war“, sagen die Brüder, die sich bis heute bester Gesundheit erfreuen. „Und hier im Lichthof gab es in der Vorweihnachtszeit immer ein Adventssingen“, erinnert sich der ältere Feustel-Bruder. Die Akustik sei super gewesen, man habe den Gesang im ganzen Schulgebäude gehört. Ob es das heute auch noch gäbe, fragen die Brüder und sind überrascht, als ihm einige Lehrer erzählen, dass es momentan zwar eine Musik-AG, aber keinen Musikunterricht gibt, in dem ein solches Singen vorbereitet werden könnte.

Auf die Frage, welcher der beiden Brüder der bessere Schüler war, zögert Hans nicht lange und gibt zu: „Ich war immer der faulere.“ Trotzdem schneiden beim Spanien-Quiz beide Männer ähnlich gut ab. Schließlich sind seit dem Ende ihrer Schulzeit viele Jahrzehnte vergangen auch nach der Schule haben die Brüder viel hinzugelernt. Während Hans nach dem Schulabschluss den heute verschwundenen Beruf des Werkzeugmachers erlernte und sich in Spandau niederließ, wurde Klaus Ingenieur und Messtechniker beim Sender Freies Berlin (SFB). Anders als sein Bruder wohnt er heute in Tegel-Ort. Seit der Rente reisen die Geschwister viel, wenn auch an unterschiedliche Ziele: der eine gerne nach Afrika, der andere eher nach Spanien. Doch trotz ihrer Unterschiede sind sich beide in einem Punkt sofort einig: „Ohne eine solide Schulbildung, die wir hier genießen konnten, wäre nichts aus uns geworden.“ Und so lächeln die Spandauer, als sie schließlich weiter gehen, um auch die neuen Gebäudeteile der BTO noch kennenzulernen.

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